Drei reale Fälle, drei verschiedene Bias-Typen.
Die bei Amazon, HireVue und Deliveroo gemachten Erfahrungen zeigen, dass KI im Recruiting ein Risiko birgt, das überall dort lauert, wo es eingesetzt wird.
Amazon
2018 · Publik geworden
Historischer Bias
CV-Screening
Was passiert ist
Amazons KI-Recruiting-Tool wurde mit 10 Jahren Bewerbungsdaten trainiert. Da in der Entwicklung überwiegend Männer eingestellt worden waren, lernte das System: männlich = besser. Lebensläufe mit dem Wort „women's" (z.B. „women's chess club") wurden abgewertet.
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Folge: Tool wurde eingestellt. Massiver Reputationsschaden. Der Fall wurde zum Referenzbeispiel für KI-Bias weltweit.
HireVue
2019–2021 · FTC-Beschwerde
Proxy-Bias
Video-Analyse
Was passiert ist
HireVue analysierte Mimik, Stimme und Wortwahl in Video-Interviews per KI. Die EPIC (Electronic Privacy Information Center) reichte Beschwerde bei der FTC ein: Die Analyse benachteilige systematisch Menschen mit Behinderungen, nicht-muttersprachliche Bewerber:innen:innen und neurodiverse Personen.
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Folge: HireVue stellte die Gesichtsanalyse 2021 ein. Der EU AI Act verbietet Emotionserkennung am Arbeitsplatz inzwischen explizit (Art. 5).
Deliveroo
2020/2021 · Gericht Bologna
Bewertungs-Bias
Algorithmus
Was passiert ist
Der „Frank"-Algorithmus bewertete Fahrer:innen nach Verfügbarkeit und Zuverlässigkeit. Wer krankheitsbedingt oder wegen Streik nicht verfügbar war, wurde im Ranking herabgestuft und erhielt weniger Aufträge. Das Arbeitsgericht Bologna stellte fest: indirekte Diskriminierung, weil der Algorithmus geschützte Gründe nicht von trivialen unterschied.
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Folge: Das Gericht ordnete 50.000 € Entschädigung an. Der Fall zeigte: Auch „neutrale" Kriterien wie Verfügbarkeit können diskriminierend wirken.
Kein Unternehmen wollte diskriminieren. Alle haben es trotzdem getan.