Stellenanzeige optimieren? Warum das Problem oft vor der Anzeige entsteht

65 Prozent der Bewerber:innen haben schon einmal aufgrund einer schlechten Stellenanzeige auf eine Bewerbung verzichtet. Das Problem liegt dabei fast nie am Text. Es liegt am Briefing zum Anforderungsprofil zwischen HR und Fachbereich, das in den meisten Unternehmen gar nicht stattfindet.

Das Problem ist nicht die Anzeige

Die KÖNIGSTEINER Gruppe hat 2025 über 1.000 Bewerber befragt. Ergebnis: 65 Prozent haben mindestens einmal auf eine Bewerbung verzichtet, weil sie eine Stellenanzeige als schlecht empfanden. 19 Prozent schließen den Arbeitgeber danach sogar langfristig aus.

Das klingt nach einem Anzeigen-Problem. Es ist keins.

65% haben wegen schlechter Anzeige auf Bewerbung verzichtet
57% bemängeln zu allgemeine Formulierungen
 

Das sind keine Stilkritiken. Es sind Hinweise auf ein strukturelles Problem, das bereits vor der Anzeige entsteht. Nämlich im Gespräch zwischen HR und Hiring Manager, das in den meisten Unternehmen gar nicht stattfindet.

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Wie Anforderungsprofile wirklich entstehen

In der Praxis sieht es meistens so aus: Eine Stelle wird frei. HR schreibt eine E-Mail an den Fachbereich. Der Hiring Manager schickt die alte Stellenbeschreibung. HR übernimmt sie, ändert das Datum, fügt vielleicht noch einen Satz zu Benefits hinzu. Fertig.

Was dabei entsteht, ist eine Beschreibung, die intern gedacht ist. Sie listet auf, was das Unternehmen braucht. Nicht, was der richtige Kandidat mitbringt. Und schon gar nicht, warum er ausgerechnet zu euch wechseln sollte statt woanders.

Eine Softgarden-Studie zeigt: 42 Prozent der Bewerber haben die Erfahrung gemacht, dass die Jobrealität mit der Stellenanzeige nicht übereinstimmte. Frustration, Vertrauensverlust, Absprung im Prozess. Das ist kein Kommunikationsproblem. Das ist das Ergebnis eines Anforderungsprofils, das nie hinterfragt wurde.

Was Bewerber in Stellenanzeigen wirklich wollen

Laut der KÖNIGSTEINER-Studie wissen Bewerber genau, was sie wollen und was nicht.

Was unverzichtbar ist

  • Konkrete Aufgabenbeschreibung | 87% nennen sie als Pflicht
  • Gehaltsangaben oder Gehaltsrahmen | 65% erwarten sie
  • Klare fachliche Anforderungen | 75% wollen sie, aber realistisch, nicht als Wunschliste

Was abschreckt

  • Pflichtanschreiben > 37% haben deswegen abgebrochen
  • Anforderung von Arbeitszeugnissen oder Bewerbungsfotos > 33%
  • Kein persönlicher Ansprechpartner genannt > 30%
  • Vage Formulierungen wie "attraktives Gehalt" oder "dynamisches Umfeld"

Was überraschend irrelevant ist

  • Ausführliche Unternehmensbeschreibung: 37% halten sie für unnötig
  • Optisch aufwendiges Design: nur 24% finden es wichtig bei der Entscheidung

Das Gespräch, das fast niemand führt

Das Anforderungsprofil-Gespräch zwischen HR und Hiring Manager ist in meinen Projekten fast immer der Punkt, an dem die meiste Zeit verloren geht, ohne dass es jemand merkt.

Es geht nicht darum, eine Checkliste abzuhaken. Es geht darum, drei Fragen zu beantworten, die jede Stellenanzeige braucht, um zu funktionieren.

Die drei Fragen jedes guten Anforderungsprofils

1

Wer ist der richtige Kandidat – nicht der ideale?

Was braucht er wirklich? Was kann er auch während der Einarbeitung lernen? Was ist ein Nice-to-have, das wir bisher als Must-have verkauft haben?

2

Warum sollte dieser Kandidat zu uns wechseln?

Nicht, was das Unternehmen von ihm will. Was bekommt er von uns? Konkret. Nicht „spannende Aufgaben“. Was macht diese Stelle für jemanden mit genau diesem Profil attraktiv?

3

Was hat die letzte Person auf dieser Stelle wirklich gemacht?

Nicht die Stellenbeschreibung. Wie sah der tatsächliche Alltag aus? Was war gut daran, was war schwer und was war entscheidend für den Erfolg?

Wer diese drei Fragen beantwortet, bevor die erste Zeile der Anzeige geschrieben wird, braucht sich um Formulierungen kaum noch zu kümmern. Der Inhalt trägt sich dann selbst.

Vorher und nachher: Dieselbe Stelle, anders formuliert

Ein Beispiel aus einer echten Diagnose- Die selbe Stelle, einmal intern gedacht, einmal kandidatenzentriert.

Intern gedacht

„Wir suchen eine erfahrene HR-Fachkraft mit mind. 5 Jahren Recruiting-Erfahrung, fundierten Kenntnissen in SAP SuccessFactors, Erfahrung im Mittelstand sowie starken kommunikativen Fähigkeiten und einer eigenverantwortlichen Arbeitsweise."

Kandidatenzentriert

„Du übernimmst das gesamte Recruiting für unsere drei Standorte. SAP SuccessFactors ist dein Tagesgeschäft, du kennst seine Schwächen und weißt, wie man damit trotzdem gut arbeitet. Unser Recruiting ist solide, aber historisch gewachsen. Du bringst Lust mit, Strukturen anzupassen."

Dieselbe Stelle. Dieselben Anforderungen. Aber die zweite Version spricht mit jemandem, statt über jemanden zu schreiben.


Häufige Fragen zu Stellenanzeigen und Anforderungsprofilen

Was schreckt Bewerber in Stellenanzeigen am meisten ab?

Laut KÖNIGSTEINER Studie Stellenanzeigen 2025 (1.028 Befragte) schrecken vor allem Pflichtanschreiben (37% der Abbrüche), fehlende Gehaltsangaben, vage Formulierungen wie "attraktives Gehalt" sowie kein persönlicher Ansprechpartner (30%) ab. 65% haben mindestens einmal auf eine Bewerbung verzichtet, weil sie die Stellenanzeige als schlecht empfanden.

Was muss eine gute Stellenanzeige enthalten?

Unverzichtbar laut Bewerber-Studien: konkrete Aufgabenbeschreibung (87%), klare fachliche Anforderungen (75%), Gehaltsangaben oder Gehaltsrahmen (65%) sowie einen persönlichen Ansprechpartner. Ausführliche Unternehmensbeschreibungen gelten dagegen für 37% als unnötig.

Wie erstellt man ein gutes Anforderungsprofil?

Ein wirksames Anforderungsprofil entsteht aus einem strukturierten Gespräch zwischen HR und Hiring Manager, das drei Fragen beantwortet: Wer ist der realistische Kandidat? Warum sollte er konkret zu diesem Unternehmen wechseln? Und was hat die letzte Person auf dieser Stelle tatsächlich gemacht, jenseits der Stellenbeschreibung? Anforderungsprofile die per Copy-Paste aus alten Ausschreibungen entstehen, spiegeln selten die aktuelle Jobrealität wider.


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Quellen:

KÖNIGSTEINER Studie Stellenanzeigen 2025 → koenigsteiner.com,

Softgarden Studie → Marke und Medien 2024

Audina Kamboua

Audina Kamboua ist Gründerin von HiringLab, Recruiting-Architektin und TÜV-zertifizierte KI-Trainerin.

Sie hilft mittelständischen Unternehmen, gewachsene Recruiting-Prozesse zu entwirren und daraus Systeme zu bauen, die im Alltag wirklich tragen.

https://hiringlab.eu
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