Entgelttransparenz 2026: Was HR jetzt klären muss

Aktualisiert am 14. Juli 2026

Ursprünglich veröffentlicht am 6. April 2026. Die Umsetzungsfrist am 7. Juni 2026 ist verstrichen, ohne dass Deutschland die Richtlinie umgesetzt hat. Ein Referentenentwurf liegt weiterhin nicht vor, das Umsetzungsgesetz wird für Anfang 2027 erwartet. Entscheidend für die Praxis: Seit dem 8. Juni 2026 legen Gerichte bestehendes Recht richtlinienkonform aus. Die Richtlinie wirkt also bereits, auch ohne nationales Gesetz.

Die EU-Entgelttransparenzrichtlinie hätte bis zum 7. Juni 2026 in deutsches Recht überführt werden müssen. Die Frist ist verstrichen, das Gesetz fehlt, die Richtlinie wirkt trotzdem. Wer glaubt, es reiche, eine Spanne in die Stellenanzeige zu schreiben, hat sie ohnehin nicht gelesen. Es geht um Vergütungslogik, Berichtspflichten und einen kompletten Systemwechsel.


Wo die Umsetzung heute steht

Destatis 2025 · Stepstone 2025

Worum es tatsächlich geht

16% Gender Pay Gap in Deutschland, unbereinigt
6% bereinigt, also bei gleicher Tätigkeit und Qualifikation
46% der HR-Verantwortlichen brauchen über sechs Monate für die Umsetzung

Was die Richtlinie konkret vorsieht

Unternehmensgröße Was gilt Ab wann
Alle Unternehmen Bewerber:innen müssen vor dem Vorstellungsgespräch über die Gehaltsspanne oder das Einstiegsgehalt informiert werden, etwa in der Stellenanzeige oder auf andere Weise. Keine Abfrage des bisherigen Gehalts. Mit Inkrafttreten des deutschen Umsetzungsgesetzes
Ab 250 Mitarbeitende Jährlicher Bericht zum geschlechtsspezifischen Entgeltgefälle Erstmals bis 7. Juni 2027
150 bis 249 Mitarbeitende Bericht zum Entgeltgefälle alle drei Jahre Erstmals bis 7. Juni 2027
100 bis 149 Mitarbeitende Bericht zum Entgeltgefälle alle drei Jahre Erstmals bis 7. Juni 2031

Stand Juli 2026: Der deutsche Referentenentwurf liegt nicht vor, die Umsetzungsfrist (7. Juni 2026) wurde nicht eingehalten. Das Umsetzungsgesetz wird für Anfang 2027 erwartet. Die genannten Berichtsfristen stehen so in der EU-Richtlinie. Wie und ab wann sie national greifen, hängt vom Umsetzungsgesetz ab. Teile der Fachliteratur erwarten die ersten Berichtspflichten erst 2028.


Warum Gehaltstransparenz den Mittelstand besonders trifft

Das ist keine Empfehlung

Es ist eine Pflicht, die greift, sobald die Zahl auf dem Tisch liegt.


Was Gehaltsangaben für den Recruiting-Prozess bedeuten


Checkliste: 5 Bereiche, die HR jetzt angehen sollte

Gehaltstransparenz sicherstellen Wie und wann erfahren Bewerber:innen die Gehaltsspanne oder das Einstiegsgehalt? Die Richtlinie verlangt die Information vor dem Vorstellungsgespräch. Ob in der Stellenanzeige, auf der Karriereseite oder auf Nachfrage, regelt die nationale Umsetzung. Wer jetzt schon Spannen nennt, ist auf der sicheren Seite.

Interviewleitfäden anpassen Die Frage nach dem aktuellen Gehalt sollte gestrichen werden. Stattdessen: Welche Bandbreite gibt es für die Rolle und wie wird die Einstufung begründet?

Vergütungslogik dokumentieren Gibt es eine nachvollziehbare Systematik, die erklärt, warum jemand wo in der Bandbreite liegt? Wenn nicht, ist das der größte Handlungsbedarf.

Bestandsgehälter analysieren Gibt es unerklärbare Unterschiede bei gleicher oder gleichwertiger Tätigkeit? Besonders zwischen den Geschlechtern, denn das kommt spätestens durch den Auskunftsanspruch ans Licht.

Berichtspflichten klären Ab welcher Unternehmensgröße greifen welche Pflichten? Wer ist intern verantwortlich? Welche Daten müssen aufbereitet werden?

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Häufige Fragen zur Entgelttransparenzrichtlinie im Recruiting




Audina Kamboua

Audina Kamboua ist Gründerin von HiringLab, Recruiting-Architektin und TÜV-zertifizierte KI-Trainerin.

Sie hilft mittelständischen Unternehmen, gewachsene Recruiting-Prozesse zu entwirren und daraus Systeme zu bauen, die im Alltag wirklich tragen.

https://hiringlab.eu
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