Die fünf Recruiting-KPIs, die eine echte Steuerung ermöglichen, sind: Time-to-Hire, Cost-of-Vacancy, Conversion Rate pro Funnel-Stufe, Channel Effectiveness und Quality of Hire.
Warum gerade diese fünf und warum 46 Prozent der Unternehmen gar nichts messen, zeigt dieser Artikel.
Recruiting ohne Zahlen ist Gefühl
Die DGFP hat 2025 über 700 HR-Verantwortliche in Deutschland befragt. Ein Ergebnis: 74 Prozent der Unternehmen messen Time-to-Hire. Das klingt erst mal gut. Wer misst, steuert ja bekanntlich.
Nur: Kennzahlen sind eine von sechs Säulen eines funktionierenden Recruiting-Systems. Ohne die anderen fünf messen Sie einen Prozess, den niemand steuert.
Die KPI, die fast niemand kennt: Cost-of-Vacancy
Dieselbe Studie zeigt: Cost-of-Vacancy, also die Kosten einer unbesetzten Stelle pro Tag, messen weniger als 10 Prozent.
DGFP Benchmark 2025
Gemessen wird viel. Gesteuert wird wenig.
74%
messen Time-to-Hire, steuern aber nicht damit
unter 10%
messen Cost-of-Vacancy, die wichtigste Kennzahl
Time-to-Hire sagt Ihnen, wie lange Sie gebraucht haben. Cost-of-Vacancy sagt Ihnen, was diese Zeit gekostet hat. Nur eine dieser Kennzahlen überzeugt einen Vorstand, Recruiting als strategisches Thema zu behandeln, und nicht als Kostenstelle mit Personalbedarf.
Der Index Recruiting Report 2024 macht es noch deutlicher: 46 Prozent der befragten Unternehmen messen überhaupt keine Recruiting-KPIs. Fast die Hälfte fliegt blind.
Was eine offene Stelle wirklich kostet
Cost-of-Vacancy ist keine abstrakte Kennzahl. Sie ist konkret. Für eine Position mit einem Jahresgehalt von 60.000 Euro entstehen laut Branchendaten täglich zwischen 200 und 500 Euro an Kosten durch entgangene Produktivität, Mehrbelastung im Team und Koordinationsaufwand. Bei 60 Tagen Vakanz sind das zwischen 12.000 und 30.000 Euro, nur für eine Stelle.
Rechnen Sie das auf eine unbesetzte Stelle in der Firmenkundenberatung hoch, die zusätzlich Ertrag kostet, und Sie sitzen mit einer anderen Zahl im Gremium. Wer die Cost-of-Vacancy kennt, führt andere Gespräche. Mit der Geschäftsführung. Mit den Fachbereichen. Und mit sich selbst über Prioritäten.
Was offene Stellen Ihr Unternehmen konkret kosten, können Sie in drei Minuten durchrechnen: Hier geht es zum Vakanzkostenrechner.
Die 5 Recruiting-KPIs, die wirklich steuerbar machen
Es gibt Dutzende Recruiting-Kennzahlen. Die meisten davon sind nett zu wissen, aber nicht entscheidungsrelevant. Diese fünf sind es.
KPI 01
Time-to-Hire
Was sie misst: Zeit vom ersten Kandidatenkontakt bis zur Vertragsunterzeichnung.
Warum sie zählt: Sie zeigt, wie effizient der aktive Prozess abläuft, also wie schnell ein Kandidat durch den Bewerbungsprozess geführt wird. Nicht, wie lange die Stelle offen ist.
Benchmark: Der Median in Deutschland liegt bei 28 bis 35 Tagen. Über 50 Tage sind ein klares Signal für einen Engpass.
Typischer Fehler: als einzige KPI nutzen
KPI 02
Cost-of-Vacancy
Was sie misst: Tageskosten einer unbesetzten Stelle durch Produktivitätsverlust, Teambelastung und Opportunitätskosten.
Warum sie zählt: Sie übersetzt Recruiting-Verzögerungen in Eurobeträge. Das ist die Sprache der Geschäftsführung.
Formel: Jahresgehalt ÷ 220 Arbeitstage × 1,5 = Tageskosten der Vakanz
Typischer Fehler: Stelle verwalten, ohne die Tageskosten zu kennen
KPI 03
Conversion Rate pro Funnel-Stufe
Was sie misst: Wie viele Kandidat:innen von einer Phase in die nächste kommen. Von Bewerbung zu Screening, von Screening zu Interview, von Interview zu Angebot.
Warum sie zählt: Sie zeigt, wo der Funnel leckt. Wenn 100 Bewerbungen eingehen und 3 Interviews stattfinden, liegt das Problem an der Stellenanzeige, dem Anforderungsprofil oder der Vorauswahl-Logik.
Typischer Fehler: nur Bewerbungszahlen auswerten
KPI 04
Channel Effectiveness
Was sie misst: Welche Kanäle liefern nicht nur Bewerbungen, sondern tatsächlich Einstellungen?
Warum sie zählt: Ein Kanal mit 30 Prozent aller Bewerbungen, aber 60 Prozent aller Einstellungen ist Gold wert. Ein Kanal mit 40 Prozent aller Bewerbungen, aber null Einstellungen kostet nur Zeit.
Typischer Fehler: Budget nach Volumen statt nach Einstellungsquote
KPI 05
Quality of Hire
Was sie misst: Wie gut neue Mitarbeitende zur Stelle und zum Unternehmen passen. Gemessen durch Performance-Bewertungen, Probezeitbestehen und Verweildauer nach 12 Monaten.
Warum sie zählt: Sie ist die einzige KPI, die die Qualität des Recruitings misst und nicht nur dessen Geschwindigkeit.
Typischer Fehler: nicht messen, weil es aufwendig klingt
Warum KPI-Projekte scheitern: Reporting oder Steuerung
Die häufigste Antwort auf die Frage „Warum messen Sie keine KPIs?" lautet: „Wir haben dafür kein System." Die zweithäufigste lautet: „Wir erheben die Zahlen, nutzen sie aber nicht wirklich."
Die Ursache beider Antworten ist dieselbe. KPIs wurden eingeführt, ohne den zugrunde liegenden Prozess zu klären. Zwar existiert ein Dashboard, jedoch wurde nie definiert, bei welchem Wert eine Entscheidung ausgelöst wird. Ein KPI, der keine Entscheidung auslöst, ist kein Steuerungsinstrument. Er ist Reporting.
Dieser Unterschied ist nicht akademisch. Reporting beschreibt, was war. Steuerung entscheidet, was als Nächstes passiert. Wer nur die Time-to-Hire erfasst, aber nie fragt, warum sie bei 52 Tagen liegt, betreibt Reporting. Wer hingegen definiert hat, dass der Fachbereich bei über 45 Tagen direkt informiert wird und eine Eskalationsrunde stattfindet, steuert.
Ein KPI, der nichts auslöst, ist kein Steuerungsinstrument. Er ist Reporting. Reporting beschreibt, was war. Steuerung entscheidet, was als Nächstes passiert.
Wie man ein KPI-Framework im Mittelstand aufbaut
Ein KPI-Framework muss nicht komplex sein. Bei begrenzten HR-Ressourcen gilt: lieber drei Kennzahlen, die wirklich genutzt werden, als zehn, die niemand versteht. Ein funktionierendes Framework besteht aus drei Elementen.
1
Definition
Jede KPI benötigt eine einheitliche Berechnungsgrundlage. Ab wann genau wird die Time-to-Hire gemessen? Ab Freigabe durch den Fachbereich, ab Bewerbungseingang oder ab erstem Kontakt? Wer das nicht festlegt, vergleicht Äpfel mit Birnen. Fehlende Datenkonsistenz ist einer der häufigsten Gründe, warum KPI-Projekte scheitern. Nicht die falsche Kennzahl, sondern das fehlende Datenmodell dahinter.
2
Schwellenwerte
Für jede KPI wird ein Wert definiert, ab dem eine Reaktion erfolgt. Was passiert bei einer Time-to-Hire von über 45 Tagen? Wer wird informiert? Wer entscheidet was? Ohne Schwellenwerte bleibt jede Zahl eine reine Beobachtung.
3
Rhythmus
KPIs werden nicht nur einmalig eingeführt, sondern regelmäßig ausgewertet. Für die meisten Häuser ist ein monatlicher Rhythmus der richtige Takt: eng genug, um zu reagieren, weit genug, um Muster zu erkennen.
Das Muster ist immer dasselbe: Erst braucht es belastbare Zahlen, dann die Regeln, was bei welchem Wert passiert. Die DIAGNOSE liefert die Datenbasis, das DESIGN das KPI-Framework: nicht nur, welche Kennzahlen erhoben werden, sondern was bei welchem Wert passiert, wer informiert wird und wer entscheidet.
Wenn Sie morgen anfangen wollen: Nehmen Sie Cost-of-Vacancy und Time-to-Hire. Berechnen Sie beide für Ihre drei Stellen mit der längsten Vakanzzeit. Das Ergebnis wird die Gespräche mit der Geschäftsführung verändern.
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Häufige Fragen zu Recruiting-KPIs
Was ist Cost-of-Vacancy im Recruiting?
Cost-of-Vacancy bezeichnet die täglichen Kosten einer unbesetzten Stelle durch Produktivitätsverlust, Mehrbelastung im Team und Opportunitätskosten. Für eine Position mit 60.000 Euro Jahresgehalt entstehen täglich zwischen 200 und 500 Euro. Trotzdem messen laut DGFP Benchmark 2025 weniger als 10 Prozent der deutschen Unternehmen diese Kennzahl.
Was ist ein guter Time-to-Hire Benchmark für Deutschland?
Der Median für Time-to-Hire in Deutschland liegt je nach Branche und Rolle zwischen 28 und 35 Tagen. Schnelle Organisationen liegen unter 20 Tagen, langsame über 50 Tagen. Entscheidend ist der interne Trend über Zeit, nicht der Vergleich mit einem abstrakten Durchschnitt.
Welche Recruiting-KPIs sind für den Mittelstand am wichtigsten?
Fünf KPIs sind besonders relevant: Time-to-Hire (Prozessgeschwindigkeit), Cost-of-Vacancy (Kosten der Vakanz), Conversion Rate pro Funnel-Stufe (wo der Prozess stockt), Channel Effectiveness (welche Kanäle wirklich zu Einstellungen führen) und Quality of Hire (Passgenauigkeit der Einstellungen nach 6 und 12 Monaten).
Wie berechnet man Cost-of-Vacancy?
Vereinfachte Formel: Jahresgehalt der Position ÷ 220 Arbeitstage × Faktor 1,5 = Tageskosten der Vakanz. Bei einem Jahresgehalt von 60.000 Euro und 60 Tagen Vakanz ergibt das Kosten zwischen 12.000 und 30.000 Euro.