Was muss ich dokumentieren, wenn ich KI im Bewerbungsprozess einsetze?

Wenn Sie KI im Recruiting einsetzen, müssen Sie vier Dinge dokumentieren: das eingesetzte System, ein Protokoll jeder KI-gestützten Entscheidung, den Nachweis menschlicher Letztentscheidung und die Information an Bewerber:innen und Betriebsrat.


Warum Recruiting unter dem EU AI Act Hochrisiko ist


Die vier Dokumentationspflichten

1. Die System-Dokumentation

Halten Sie fest, welches System Sie einsetzen und wofür. Was macht es genau? Sortiert es vor, bewertet es, schlägt es Rankings vor? Lassen Sie sich vom Anbieter die technische Dokumentation geben und bewahren Sie sie zugänglich auf. Wenn morgen jemand fragt, auf welcher Grundlage Sie abgelehnt haben, wollen Sie nicht erst beim Hersteller anrufen müssen.

2. Das Protokoll jeder Entscheidung

Das ist das Herzstück. Der AI Act verlangt eine automatische Protokollierung der Nutzung. Übersetzt in Ihren Alltag: festhalten, wann das System eingesetzt wurde, mit welchen Eingabedaten, was dabei herauskam und wer das Ergebnis geprüft hat. Diese Logs halten Sie mindestens sechs Monate vor.

Speziell für die Finanzbranche relevant: Wer ohnehin unter aufsichtsrechtliche Governance-Pflichten fällt, führt diese Protokolle als Teil der bestehenden Dokumentation. Sie bauen keine zweite Welt auf. Sie hängen es an das an, was Sie sowieso schon sauber führen.

3. Der Mensch entscheidet

Eine vollautomatische Absage, ohne dass ein Mensch draufschaut, ist nach Datenschutz-Grundverordnung nicht zulässig. Sie brauchen den Nachweis, dass eine echte Person die Letztentscheidung getroffen hat. Nicht „das System hat aussortiert", sondern „Person X hat am Tag Y geprüft und entschieden". Das ist kein Misstrauen gegen die KI. Das ist der Punkt, an dem aus einem Vorschlag eine verantwortbare Entscheidung wird.

Diese Letztentscheidung trägt nur, wenn Ihr Team eine Bewertung auch begründen kann. Genau das trainiert der Inhouse-Workshop „Bewerbungen sicher bewerten im KI-Zeitalter".

4. Information an Bewerber:innen und Betriebsrat

Zwei Gruppen müssen Sie ins Bild setzen. Die Bewerber:innen, dass im Prozess KI mitläuft. Und, bevor Sie so ein System einführen, Ihre Arbeitnehmervertretung. Der Betriebsrat will und soll das wissen. Wer das überspringt, baut sich später genau die Konflikte, die er vermeiden wollte.

Was Sie den Bewerber:innen datenschutzrechtlich schulden und wie Sie es formulieren: Datenschutz-Grundlagen und Praxis-Prompts finden Sie im kostenlosen Workbook.


Die stille Risikokette

Wer heute anfängt zu dokumentieren, steht 2027 nicht unter Druck.

Die Frist ist verschoben. Der Aufbau der Strukturen dauert trotzdem länger als ein Quartal.

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Häufige Fragen

Audina Kamboua

Audina Kamboua ist Gründerin von HiringLab, Recruiting-Architektin und TÜV-zertifizierte KI-Trainerin.

Sie hilft mittelständischen Unternehmen, gewachsene Recruiting-Prozesse zu entwirren und daraus Systeme zu bauen, die im Alltag wirklich tragen.

https://hiringlab.eu
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