EU AI Act Kennzeichnungspflicht Recruiting 2026

Nein, der EU AI Act wurde nicht komplett verschoben. Verschoben wurden lediglich die Hochrisiko-Pflichten nach Anhang III, die sich auf KI zum Screening, Ranking und Matching von Bewerbungen beziehen. Der neue Stichtag dafür ist der 2. Dezember 2027. Die Transparenz- und Kennzeichnungspflichten nach Artikel 50 gelten dagegen bereits seit dem 2. August 2026. Bei Verstößen droht ein Bußgeldrahmen von bis zu 15 Millionen Euro oder 3 % des weltweiten Jahresumsatzes.


Was verschoben wurde


Was nicht verschoben wurde

Artikel 50 gilt seit dem 2. August 2026

Verstöße gegen die Transparenzpflichten unterliegen der mittleren Sanktionsstufe des AI Act: Es droht eine Geldbuße von bis zu 15 Millionen Euro oder 3 % des weltweiten Jahresumsatzes, je nachdem, welcher Betrag höher ist.

01

Chatbot auf der Karriereseite. KI-Systeme, die für die direkte Interaktion mit Menschen bestimmt sind, müssen so gestaltet sein, dass die Nutzenden erkennen, dass sie mit einer KI sprechen. Dies gilt von Anfang an und nicht erst auf Nachfrage, es sei denn, es ist offensichtlich.

02

KI-generierte Bilder und Videos im Employer Branding. Synthetische Inhalte müssen maschinenlesbar als künstlich erzeugt gekennzeichnet werden. Die technische Umsetzung dieser Kennzeichnungspflicht liegt beim Anbieter des Systems, die Verantwortung, ein konformes Tool zu wählen, liegt jedoch bei Ihnen. Für Systeme, die bereits vor dem 2. August 2026 auf dem Markt waren, gilt eine Übergangsfrist bis zum 2. Dezember 2026.

03

KI-generierte Texte. Hier gibt es die meisten Missverständnisse. Die Kennzeichnungspflicht gilt nur für veröffentlichte Texte, die Angelegenheiten von öffentlichem Interesse betreffen. Selbst dann entfällt die Kennzeichnungspflicht, wenn der Inhalt einer menschlichen Überprüfung unterzogen wurde und eine Person die redaktionelle Verantwortung trägt. Eine mit KI-Unterstützung erstellte und vor der Veröffentlichung geprüfte Stellenanzeige muss also nicht gekennzeichnet werden.


Die Denkfalle bei der Verschiebung


Ihr Check für diese Woche

1

Wird in der Bewerberkommunikation irgendwo ein Chatbot eingesetzt? Wenn ja, ist der Einsatz von KI für die Bewerber:innen erkennbar?

2

Nutzen Sie nach außen gerichtete KI-Bilder oder KI-Videos? Wenn ja, kennzeichnet das eingesetzte Tool die Bilder bzw. Videos maschinenlesbar?

3

Werden KI-generierte Texte ungeprüft veröffentlicht? Wenn ja, muss entweder ein Prüfschritt eingefügt oder der Text gekennzeichnet werden.

Was in ein KI-Register gehört

  • System und Aufgabe, zum Beispiel die Vorstrukturierung von Bewerbungen
  • Datenbasis und deren Herkunft
  • Wer die menschliche Kontrolle ausübt
  • Wann Bewerbende informiert werden, und zwar vor der Verarbeitung, nicht erst bei der Einladung
  • Turnus der Bias-Prüfung
  • Verantwortliche Rolle
Nächster Schritt

Erst sehen, wo KI im Prozess steckt

In der Diagnose machen wir sichtbar, wo im bestehenden Recruiting-Prozess KI eingesetzt wird, bevor eine Prüfung von außen es tut. Der häufigste erste Befund: Es läuft mehr KI, als im Haus bekannt ist.

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Häufige Fragen

Dieser Beitrag dient der Orientierung und ersetzt keine Rechtsberatung. Ob im Einzelfall Transparenz- oder Kennzeichnungspflichten bestehen, hängt vom konkreten Anwendungsfall ab.
Audina Kamboua

Audina Kamboua ist Gründerin von HiringLab und Recruiting-Architektin.

Sie arbeitet mit Sparkassen, Regionalbanken und mittelständischen Finanzdienstleistern an der Architektur ihres Recruitings: wie Prozesse, Rollen, Entscheidungen, Daten und Technologie zusammenspielen. Zuvor war sie sieben Jahre lang im HR der Sparkassen-Finanzgruppe tätig.

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