Wissens-Quiz
KI im Recruiting
10 Fragen zu Recht, Bias, Ethik und Praxis
Teste, wie sicher du dich mit EU AI Act, DSGVO, Bias-Quellen und den Richtlinien des Ethikbeirats bewegst. Du erhältst sofort Feedback zu jeder Frage. Am Ende siehst du, wo deine Stärken liegen und was du vertiefen solltest.
Ein HR-Tool screent Lebensläufe vor und erstellt ein Ranking der Kandidat:innen. Wie ist das nach dem EU AI Act einzuordnen?
Deine Einordnung
Richtige Antwort:
Hochrisiko-System nach Anhang III Nr. 4
Anhang III Nr. 4 listet KI-Systeme im Beschäftigungskontext zur Auswahl oder Bewertung von Personal als Hochrisiko. Ab 2. Dezember 2027 greifen dafür Pflichten zu Dokumentation, Risikomanagement und menschlicher Aufsicht.
Euer Unternehmen führt ein neues KI-Matching-Tool für Bewerber:innen ein. Welche Regelwerke greifen parallel?
Deine Einordnung
Richtige Antwort:
EU AI Act + DSGVO + BetrVG + AGG
Neben dem EU AI Act gelten DSGVO (Art. 6, Art. 22), BetrVG (§ 87 Abs. 1 Nr. 6, Mitbestimmung bei technischen Einrichtungen) und AGG (§§ 1, 22, Diskriminierungsschutz) immer parallel. Ein Einsatz kann mehrere Regelwerke gleichzeitig verletzen.
Seit wann sind verbotene KI-Praktiken wie Emotionserkennung im Recruiting sanktionsrelevant?
Deine Einordnung
Richtige Antwort:
Seit Februar 2025
Seit Februar 2025 ist Art. 5 AI Act scharf. Bußgelder bis 35 Mio. Euro oder 7 Prozent Jahresumsatz. Wer heute noch Emotionserkennung, Social Scoring oder biometrische Kategorisierung im Recruiting einsetzt, verstößt bereits aktiv.
Ein KI-System wurde mit Daten der letzten 10 Jahre trainiert, in denen überwiegend Männer in Führungspositionen besetzt wurden. Welche Bias-Quelle steckt dahinter?
Deine Einordnung
Richtige Antwort:
Historischer Daten-Bias
Historischer Daten-Bias entsteht, wenn Trainingsdaten aus einer Vergangenheit mit systematischen Ungleichheiten stammen. Die KI lernt diese Muster als normal und reproduziert sie, auch wenn die Gegenwart längst diverser denkt. Affinity Bias und Halo-Effekt sind dagegen menschliche Entscheidungs-Biases, die nicht im Training entstehen, sondern im Kopf der Recruiter:innen.
Amazon musste 2018 ein KI-basiertes CV-Screening-Tool einstampfen. Welcher Mechanismus war der Auslöser?
Deine Einordnung
Richtige Antwort:
Trainingsdaten aus 10 Jahren männlicher Bewerbungen
Amazons Tool wurde mit 10 Jahren historischer Bewerbungsdaten trainiert, überwiegend von Männern. Die KI lernte, männliche CVs zu bevorzugen und Begriffe wie „Frauen-College" als negatives Signal zu werten. Option A beschreibt HireVue, Option C beschreibt Deliveroo.
Beim 7-Stationen Bias-Audit prüfst du deinen Recruiting-Prozess Schritt für Schritt. Welche der folgenden Stationen gehört NICHT dazu?
Deine Einordnung
Richtige Antwort:
Gehaltsverhandlung
Die 7 Stationen sind: Anzeige, Ausspielung, Vorsortierung, CV-Screening, Erstgespräch, Interview und Entscheidung. Die Gehaltsverhandlung gehört zur Vertragsphase und ist nicht Teil des Auswahlprozesses, den der Audit abdeckt.
Der Ethikbeirat HR-Tech fordert Transparenz über den KI-Einsatz gegenüber Bewerber:innen. Was heißt das konkret?
Deine Einordnung
Richtige Antwort:
Bewerber:innen informieren, wenn und wie KI beteiligt ist
Transparenz heißt, dass Bewerber:innen wissen, dass KI im Prozess mitwirkt und in welcher Rolle. Das verlangen heute schon Art. 13 und 14 DSGVO, ab Dezember 2027 zusätzlich Art. 26 Abs. 11 EU AI Act. Der Algorithmus selbst muss nicht offengelegt werden, und Einzelfall-Abnahme wäre praktisch nicht leistbar.
Ein KI-Tool ist rechtlich zulässig und erfüllt alle DSGVO-Anforderungen. Reicht das aus ethischer Sicht?
Deine Einordnung
Richtige Antwort:
Recht setzt die Untergrenze, Ethik geht darüber hinaus
Recht und Ethik sind zwei verschiedene Ebenen. Vieles ist legal, aber fragwürdig, etwa Persönlichkeitsanalyse aus CV-Formulierungen. Die Ethikbeirat-Richtlinien schließen genau diese Lücke und definieren Verantwortung jenseits der Minimalpflichten.
Euer Unternehmen hat die Enterprise-Version von ChatGPT lizenziert. Du lädst 30 Lebensläufe samt Kontaktdaten hoch, um sie vorzufiltern. Darfst du das?
Deine Einordnung
Richtige Antwort:
Nur unter Bedingungen, die Enterprise-Lizenz allein reicht nicht
Die Enterprise-Lizenz ist Voraussetzung, nicht Lösung. Für Bewerberdaten brauchst du zusätzlich einen Auftragsverarbeitungsvertrag (Art. 28 DSGVO), eine dokumentierte Rechtsgrundlage (Art. 6 Abs. 1 lit. b DSGVO, Vertragsanbahnung), eine Datenschutz-Folgenabschätzung (Art. 35 DSGVO), die Einbindung des Betriebsrats (§ 87 Abs. 1 Nr. 6 BetrVG) und Transparenz gegenüber den Bewerber:innen (Art. 13 DSGVO). Und wer die KI vorfiltern lässt, betreibt ab Dezember 2027 einen Hochrisiko-Einsatz nach Anhang III Nr. 4 EU AI Act. Eine Absage darf schon heute nicht allein auf dem KI-Ergebnis beruhen (Art. 22 DSGVO). Viele denken, Enterprise sei automatisch ausreichend. Ist es nicht.
Dein Unternehmen betreibt ein firmeninternes LLM auf Azure OpenAI. Du entfernst Namen, Geburtsdaten und Fotos aus den Lebensläufen, bevor du sie analysieren lässt. Darfst du das?
Deine Einordnung
Richtige Antwort:
Nur unter Bedingungen, PII-Entfernung allein reicht nicht
Der Haken liegt im Begriff Anonymisierung. Namen und Fotos raus klingt sicher, reicht aber selten: Seltene Projekte, spezifische Arbeitgeber-Kombinationen oder besondere Abschlüsse machen einen CV re-identifizierbar. Das ist Pseudonymisierung, nicht Anonymisierung. Die DSGVO gilt weiter. Azure OpenAI in der EU-Region ist eine deutlich bessere Basis als ChatGPT Free, ersetzt aber weder den AVV mit Microsoft, noch die Datenschutz-Folgenabschätzung, noch die Betriebsrats-Information oder die Rechtsgrundlage nach Art. 6 Abs. 1 lit. b DSGVO.
Geschafft!
Deine Stärken im Überblick
3 Kernlernpunkte
Kein Gesetz steht allein
EU AI Act, DSGVO, BetrVG und AGG greifen parallel. Jeder KI-Einsatz im Recruiting muss gegen alle vier geprüft werden.
Bias ist kein Zufall, sondern ein Muster
Historische Daten, Proxy-Variablen und menschliche Entscheidungs-Biases wirken auf verschiedenen Ebenen. Der Audit prüft den Prozess systematisch an allen 7 Stationen.
Tool-Wahl ist nicht die Lösung
Enterprise-Lizenz oder firmeninternes LLM reichen nicht. Es braucht immer AVV, Rechtsgrundlage, DSFA, Betriebsrats-Info und Transparenz gegenüber Bewerber:innen.